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Fördermittel ermöglichen Anschaffung eines funktionellen Nahinfrarotspektroskopiesystems
Aalen, Stuttgart – Die Carl Schneider Stiftung hat erneut die Anschaffung modernster Geräte zur Unterstützung der Forschung am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS) in Stuttgart finanziert. Auf der Vorstandssitzung der Stiftung am 24. Juli 2025 wurden dem MPI-IS 175.000 Euro für die Anschaffung eines sogenannten fNIRS-Systems bewilligt.
Die Abkürzung fNIRS steht für „funktionale Nahinfrarotspektroskopie“ – eine nicht-invasive Neurobildgebungstechnik, mit der die Gehirnaktivität gemessen werden kann. Sie eignet sich daher gut für Studien an Menschen in alltäglichen Umgebungen. Mithilfe von Nahinfrarotlicht erkennt fNIRS Veränderungen des sauerstoffreichen und sauerstoffarmen Hämoglobins in der Großhirnrinde, der äußeren Schicht des Gehirns, wo viele wichtige Prozesse wie Denken, Wahrnehmen und Planen stattfinden. Lichtquellen und Fotodetektoren, die auf der Kopfhaut angebracht werden, messen, wie viel Licht zu jedem Zeitpunkt vom Blut im Gehirn absorbiert bzw. reflektiert wird. Anhand dieser Veränderungen können Rückschlüsse auf die Aktivität bestimmter Hirnregionen gezogen werden. Im Gegensatz zu anderen Neuroimaging-Verfahren ist fNIRS leicht und tragbar und ermöglicht daher die Untersuchung der Gehirnaktivität in realen Szenarien. fNIRS eignet sich gut für die Untersuchung der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter, von Entscheidungsprozessen und Interaktionen in natürlichen Umgebungen in Echtzeit.
Mit ihrer Förderung stärkt die Carl Schneider Stiftung erneut die zentrale Forschungsinfrastruktur des MPI-IS. Als gemeinsame Ressource wird dieses neue Gerät mehreren Abteilungen und Forschungsgruppen die Möglichkeit geben, hochauflösende neurophysiologische Daten von Studienteilnehmer*innen in Echtzeit aufzuzeichnen.
MPI-IS-Direktorin Katherine J. Kuchenbecker, die die Abteilung für Haptische Intelligenz leitet und den Antrag des Instituts bei der Kuratoriumssitzung vorgestellt hat, zeigte sich erfreut über die Bewilligung der Förderung.
„Mein Team führt jedes Jahr etwa zehn Forschungsstudien mit Proband*innen durch, in denen diese mit technischen Systemen interagieren. Bislang waren wir darauf beschränkt, das Verhalten der Teilnehmenden von außen zu beobachten und ihnen Fragebögen vorzulegen. Mit dem neuen fNIRS-Gerät, das von der Carl Schneider Stiftung unterstützt wird, können wir direkt messen, welche Teile des Gehirns zu verschiedenen Zeitpunkten aktiv sind, insbesondere wenn wir Aspekte des von der Person verwendeten technischen Systems verändern“, sagte sie. Kuchenbeckers Abteilung plant, fNIRS zu verwenden, um die kognitive Belastung und Aufmerksamkeitsverteilung von Personen zu untersuchen, während diese Roboter mit unterschiedlichen Bewegungsschnittstellen und verschiedenen Arten von haptischem Feedback fernsteuern. Sie erklärte: „Jetzt können wir endlich testen, ob unser von der Natur inspiriertes, vibrotaktiles Feedback an die Nutzer*innen tatsächlich deren mentale Arbeitsbelastung verringert.“
Die Forschungsgruppe „Organizational Leadership and Diversity“ unter der Leitung von Ksenia Keplinger wird ebenfalls von dem neuen Gerät profitieren. Die Gruppe untersucht Entscheidungsprozesse von Führungskräften, den Einfluss von Diversität auf Teamentscheidungen und Führungskultur im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. fNIRS wird eingesetzt, um Veränderungen der Gehirnaktivität während Teambesprechungen zu messen. Dieser Ansatz ermöglicht es den Forscher*innen, die Auswirkungen von inklusiven und exklusiven Führungsstrategien zu vergleichen. Hyperscanning ermöglicht die gleichzeitige Aufzeichnung mehrerer Teammitglieder, wodurch kollektive Entscheidungsprozesse, Teamdynamiken und kooperative Mensch-Maschine-Interaktionen in authentischen Arbeitsumgebungen visualisiert werden können. „Mit fNIRS können wir über das hinausgehen, was Menschen über ihre Erfahrungen sagen, und Muster der Gehirnaktivität in Echtzeit beobachten. So können wir sehen, wie integrative Führung die Voraussetzungen für Vertrauen, Zusammenarbeit und psychologische Sicherheit in Teams fördert”, sagte Keplinger.
An dem Treffen nahmen folgende Personen teil (von links nach rechts auf dem Bild unten):
Frederick Brütting, Oberbürgermeister der Stadt Aalen Markus Wiedemann, Abteilungsleiter, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Baden-Württemberg Gerhard Grimminger, Unternehmer und Investor des Digital Innovation Space Aalen Alois Zwick, Carl-Schneider-Stiftung Prof. Dr. Katherine J. Kuchenbecker, Direktorin am MPI-IS Prof. Dr. Harald Riegel, Rektor der Hochschule Aalen Stephan Bissinger, Leiter der Abteilung Personal und Recht der Universität Stuttgart Dr. Matthias Tröndle, Wissenschaftlicher Koordinator am MPI-IS Otto Kieninger, Carl-Schneider-Stiftung
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