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Direktor am MPI-IS eines von 40 Mitgliedern des neu gegründeten Unabhängigen Internationalen Wissenschaftlichen Gremiums für KI
Tübingen – Bernhard Schölkopf, Direktor der Abteilung für Empirische Inferenz am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS) und Direktor des ELLIS Institut Tübingen, wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in das neu geschaffene Unabhängige Internationale Wissenschaftliche Gremium für Künstliche Intelligenz gewählt. Das Gremium bewertet die Chancen und Risiken von KI auf globaler Ebene.
Schölkopf ist einer der weltweit führenden Forscher auf dem Gebiet des maschinellen Lernens und der Kausalität. Er entwickelt neue Lernmethoden, die Strukturen und kausale Zusammenhänge in großen Datensätzen erkennen können – ein Teilgebiet der künstlichen Intelligenz. Seine Methoden finden Anwendung in der Medizin, Biologie, Computer Vision, Robotik, Neurowissenschaft, Kognitionswissenschaft und Astronomie. Er war an wissenschaftlichen Kooperationen beteiligt, die von der Gravitationswellendetektion bis zur Entdeckung von Exoplaneten reichten. Schölkopf ist dafür bekannt, maschinelles Lernen in verschiedenen Bereichen anzuwenden und sich gleichzeitig für verantwortungsvolle KI-Forschung einzusetzen.
Das Gremium ist die erste globale wissenschaftliche Einrichtung, die sich ausschließlich mit künstlicher Intelligenz befasst. Es fungiert als Frühwarnsystem: es soll dabei helfen, zwischen Hype und Realität zu unterscheiden. Außerdem sorgt es für Chancengleichheit im Informationsbereich, indem es komplexe Bewertungen allen UN-Mitgliedstaaten und Interessengruppen zugänglich macht. Das Gremium schließt die Lücke zwischen KI-Forschung und Politik, indem es politikrelevante Jahresberichte und thematische Kurzberichte über die Risiken, Chancen und Auswirkungen der KI erstellt. Das Panel leistet einen Beitrag zu internationalen Debatten, indem es seine Ergebnisse im Rahmen des Global Dialogue on AI Governance vorstellt. Nicht zuletzt gewährleistet das Gremium eine inklusive Perspektive, da seine 40 Mitglieder verschiedene Geschlechter, Regionen und technologische Entwicklungsstufen widerspiegeln, darunter auch aus dem Globalen Süden.
Alle Kandidat*innen wurden anhand von leistungsbezogenen Kriterien hinsichtlich ihrer herausragenden Fachkenntnisse im Bereich KI und verwandten Gebieten bewertet. Anschließend wurden die 40 Mitglieder auf der Grundlage dieser Fachkenntnisse, einer interdisziplinären Perspektive, einer ausgewogenen geografischen und geschlechtsspezifischen Verteilung sowie der Einbeziehung von Kandidaten aus Entwicklungs- und Industrieländern unter gebührender Berücksichtigung der Nominierungen der Mitgliedstaaten ausgewählt. Der Bewerberpool weist eine breite geografische Streuung und multidisziplinäre Reichweite auf, was den Zielen des Gremiums entspricht.
Schölkopf, Jahrgang 1968, studierte in Tübingen und London Physik, Mathematik und Philosophie und wurde 1997 an der TU Berlin in Informatik promoviert. Von 2001 bis 2010 war er Direktor und Wissenschaftliches Mitglied am Tübinger Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik. Als einer der Gründungsdirektoren ist Schölkopf seit 2011 Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen, wo er die Abteilung für Empirische Inferenz leitet. Der gebürtige Schwabe erhielt zahlreiche Preise, darunter 2011 den Max-Planck-Forschungspreis, 2012 den Akademiepreis der Berlin-Brandenburgischen Akademie, 2014 folgte der Milner Award der Royal Society in Großbritannien, 2016 wurde er in die Leopoldina berufen, die ACM hat ihn Ende 2017 zu einem ACM Fellows gekürt und 2018 wurde ihm in Berlin der bedeutendste deutsche Forschungsförderpreis, der Leibniz-Preis verliehen. 2019 erhielt er den Forschungspreis des Landes Baden-Württemberg, den Hector Wissenschaftspreis sowie den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft. 2021 folgte der BBVA Frontiers of Knowledge Award. 2022 wurde ihm der ACM - AAAI Allen Newell Award für seine bahnbrechende Forschung im Bereich künstliche Intelligenz verliehen. Schölkopf war 2016 wesentlich an der Gründung und Gestaltung der Cyber Valley Initiative beteiligt und hat im April 2018 die ELLIS Society ins Leben gerufen. Schölkopf ist außerdem Co-Direktor des Tübingen AI Center, Honorarprofessor am Institut für Mathematik und Physik an der Universität Tübingen sowie Honorarprofessor für Informatik an der Technischen Universität (TU) Berlin. Im Dezember 2018 wurde er zum affiliierten Professor für Empirische Inferenz an die ETH Zürich berufen.
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